Singapur: Digitalisierung einer Finanzmetropole

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Als Singapur vor etwas mehr als 50 Jahren unabhängig wurde, hatte man dem kleinen und ressourcenarmen Entwicklungsland kaum Überlebenschancen zugerechnet. Heute ist der Stadtstaat zur Wirtschaftsmetropole Asiens aufgestiegen, welche mit New York, Hong Kong und Tokio in einem Atemzug erwähnt wird. Nun steht der Finanzsektor vor neuen Herausforderungen und der rasante digitale Fortschritt, mit Technologien, wie Blockchain und 5G, wird ihn in absehbarer Zukunft noch stärker beeinflussen.

Die Finanztechnologie, bzw. Fintech, hat in den letzten Jahren ein rasantes Wachstum verzeichnet. Neben der Verknüpfung von traditionellen Finanzdienstleistungen mit technologischen Lösungen, vereint Fintech auch E-Commerce, Infrastrukturdienstleister und Telekommunikationsunternehmen unter einem Dach. Während die Investitionen in den Fintech-Sektor in Asien allgemein eher sanken, konnten diese in Singapur laut einer Statistik von Fintech Global, im Jahr 2018 einen neuen Höchststand von 365 Millionen USD vermerken.

Im Vergleich dazu betrug das Investment 2014 noch 20,8 Millionen USD und 2017 229,10 Millionen USD. Dieses rasante Wachstum hat der Sektor insbesondere dem ausgezeichneten Umfeld zu verdanken, welches Singapur dem Fintech-Sektor bietet. Neben einem hohen Pro-Kopf-Einkommen und einer ausgezeichneten Infrastruktur, bietet das Land auch eine Ultra-High-Speed Glasfaservernetzung, welche Singapur, mit einer Downloadgeschwindigkeit von 55,52 Mbps, 2019 zu Platz 1 in einem weltweiten Vergleich der schnellsten Breitbandverbindungen verholfen hat. Außerdem wird das Wachstum des Fintech-Sektors durch diverse politische Initiativen, Steueranreize und ein vorteilhaftes regulatorisches Umfeld begünstigt.

Experimentieren in der “Sandbox”

Obwohl es in Singapur keine speziellen Regulierungen für den Fintech-Sektor gibt, fallen bestimmte Finanzdienstleistungen, welche durch Fintech-Unternehmen ausgeführt werden, in den Geltungsbereich bestehender Regulierungssysteme im Bankensektor. Unternehmen, welche in den Sektor investieren wollen, sollten deshalb dringend prüfen, ob sie unter eines der Regulierungssysteme, z.B. das Bankengesetz, das Versicherungsgesetz oder das Gesetz für Finanzinstitutionen, fallen. Verantwortlich für die Überwachung von Fintech-Unternehmen ist Singapurs Währungsbehörde. Diese unterstützt in den letzten Jahren Fintech-Unternehmen, vielversprechende Innovationen auf dem Markt zu testen.

Ein Mittel dafür ist die sogenannte „Sandbox“, welche es Fintech-Unternehmen ermöglicht, in einem bestimmten Zeitraum und einem kontrollierten Umfeld mit innovativen Finanzprodukten und Dienstleistungen zu experimentieren. Von Vorteil sind insbesondere die Lockerung der gesetzlichen und regulatorischen Bestimmungen während der Zeit in der Sandbox sowie der Schutz im Falle von Störungen oder dem Scheitern von Experimenten. Unternehmen, welche sich für die Sandbox bewerben wollen, müssen neue oder aufstrebende Technologien verwenden, oder vorhandene Technologien innovativ nutzen und einen Bewerbungs- und Evaluationsprozess der Währungsbehörde durchlaufen. Nach Beendigung der „Sandbox-Phase“ werden jegliche Lockerungen bezüglich gesetzlicher und regulatorischer Bestimmungen aufgehoben und Unternehmen müssen alle behördlichen Anforderungen vollständig erfüllen.

Zusätzlich hat Singapurs Zentralbank bereits 2017 begonnen, Initiativen zur Unterstützung von Fintech-Unternehmen auszurollen. Neben dem Abschließen von Kooperationsvereinbarungen mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) und anderen Institutionen in den Vereinigten Staaten, Südamerika, Südkorea, Australien und Hongkong und der Entwicklung einer grenzüberschreitenden Plattform zur Handelsfinanzierung unter Verwendung von Blockchain-Technologien, stellte die Währungsbehörde auch finanzielle Mittel in Höhe von 225 Millionen USD für die Entwicklung von Fintech-Projekten bereit. Zusätzlich entstehen in Singapur zunehmend „Fintech-Innovationsschmieden“, wie das „80RR Fintech Hub SG“. 2017 wurde das etwa 100.000 m² umfassende Bürogebäude im Herzen von Singapurs Geschäftsviertel eröffnet und beherbergt seither sowohl internationale als auch lokale Fintech-Unternehmen und Startups. „Wir freuen uns sehr darüber, den sich rasch entwickelnden Fintech-Sektor zu unterstützen und zu fördern, indem wir Startups sowie anderen Fintech-Unternehmen eine innovative Umgebung und Räumlichkeiten zu wettbewerbsfähigen Preisen anbieten“, sagte ein Sprecher des 80RR.

Neben den oben genannten Beispielen gibt es viele weitere Programme und Chancen für Fintech-Unternehmen und Startups in Singapur, welche die Stadt zu einem attraktiven Investitionsziel machen.  

Cybersicherheit durch Blockchain

Was die Entwicklung, bzw. Implementierung von Fintech insbesondere in europäischen Staaten immer wieder hemmt, sind die Bedenken von Nutzern bezüglich der Sicherheit solcher Fintech-Lösungen. Eine Lösung dieses Vertrauensproblems sehen Experten in der Entwicklung von „Blockchains“. Entstanden ist die Blockchain-Technologie ursprünglich, um die erste Kryptowährung, Bitcoin, zu speichern und senden. Mit der Entwicklung der Technologie hat sie sich jedoch weltweit auch zu anderen Zwecken, insbesondere als Mittel zur Erhöhung der Cybersicherheit, durchgesetzt. Blockchains sind dezentrale Datenbanken, auch oft als digitale Register bezeichnet, die eine kontinuierliche Liste von Datensätzen mittels Kryptographie verkettet. Das besondere an dieser neuen Technologie ist die Möglichkeit Informationen jeglicher Art, anstatt auf einem zentralen Server, auf diversen Computern verteilt, ähnlich einer öffentlich einsehbaren Datenbank, zu speichern und zu verwalten.

Genau diese Besonderheit ermöglicht es auch, die Cybersicherheit zu erhöhen. Durch die Veröffentlichung jeder Transaktion, inklusive noch so kleiner Einzelheiten, entsteht eine enorme Transparenz zwischen Transaktionspartnern, die allen Akteuren eine hohe Sicherheit und besseren Schutz vor Hackerangriffen bietet. Auf diese Weise kann die Blockchain-Technologie grundlegende Sicherheitslücken schließen.

2016 hat die Global eTrade Services (GeTS), eine Tochtergesellschaft von CrimsonLogic, die Open Trade Blockchain (OTB), die weltweit erste grenzüberschreitende Blockchain für den Handel zwischen ASEAN und Chinas digitaler Seidenstraße, ins Leben gerufen. Mit Hilfe solcher Blockchains kann der globale Handel effizienter, sicherer und transparenter werden und insbesondere Sektoren, welche von Cybersicherheit und Transparenz abhängig sind, können zukünftig davon profitieren.

Chancen für ausländische Unternehmen

Für ausländische Investoren ist es einfach, in Singapurs Fintech-Sektor zu investieren, da es keine besonderen Restriktionen seitens der Regierung gibt. Neben dem attraktiven Umfeld, welches Singapur für Wachstum und Innovation sowohl lokaler als auch internationaler Fintech-Unternehmen bietet, dient die Finanzmetropole auch als Tür zum asiatischen Markt, insbesondere in die ASEAN-Staaten. So genießt zum Beispiel das in Singapur gegründete Unternehmen Grab, welches mittels App Mitfahrgelegenheiten, Lieferservices sowie Logistikdienstleistungen anbietet, steigende Popularität in einigen südostasiatischen Staaten wie Vietnam, Indonesien, Malaysia, Thailand, Myanmar und Kambodscha. Mittlerweile kann man in einigen dieser Länder bereits mit der 2016 von Grab ins Leben gerufenen App „GrabPay“, bequem per Smartphone bezahlen. Obwohl diese Märkte oft noch sehr unterentwickelte Fintech-Sektoren haben, bieten diese diverse Chancen für investierende Unternehmen. Der gesamte ASEAN-Raum umfasst eine Bevölkerung von über 625 Millionen und ist damit um einiges größer als die EU mit 504 Millionen und die Vereinigten Staaten mit 319 Millionen Einwohnern. Laut Statistiken von Fintech Global hat Singapur bereits 2015 Hongkong als führenden Fintech-Hub in Asien abgelöst und konnte im ersten Halbjahr 2018 fast zwölfmal so viele Investitionen anziehen wie Hongkong. Dies ist unter anderem den einfacheren Regulierungen in Singapur, verglichen mit Hongkongs mehrstufiger Regulierungsstruktur, zu verdanken.

Singapur setzt sich hohe Ziele und will sich neben dem Ergattern des Titels der weltgrünsten Stadt, auch als Hauptstadt Asiens etablieren. Bereits heute wird der kleine Stadtstaat, welchen seine Einwohner verniedlicht „The Little Red Dot“ nennen, vermehrt als Stadt der Zukunft bezeichnet. Mit diversen politischen Anreizen und einem attraktiven Investitionsumfeld hat die Metropole herausragende Chancen, zur globalen Fintech-Oase aufzusteigen.

 


ASEAN Briefing wird von Dezan Shira & Associates produziert. Mit Büros in ChinaHongkongIndienIndonesienSingapurRussland und Vietnam unterstützt das Unternehmen Investoren in Asien

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